Laufende Studien

Übersetzungsstudie MARS

Die MARS (Mobile Application Rating Scale; Stoyanov, 2015) wurde entwickelt, um eine multidimensionale Messung der Qualität von Gesundheits-Apps durch Experten zu ermöglichen. Mithilfe des MARS Ratings wird eine höhere Objektivität, Reliabilität und Validität in der Qualitätsbewertung von Gesundheits-Apps angestrebt, da Userratings nur bedingt aussagekräftig sind. Die MARS-G stellt die deutsche Version dieser Ratingskala dar und erfasst folgende Dimensionen: Engagement, Funktionalität, Ästhetik, Information, Subjektive Qualität, und App-spezifische Qualität

 

Übersetzungsstudie ENLIGHT

Das ENLIGHT ist ein validiertes Messinstrument zur Bestimmung der Qualität von Gesundheitssoftware und misst die Skalen: App-Beschreibung, Benutzerfreundlichkeit, visuelles Design, Nutzerbindung, therapeutische Überzeugungskraft, therapeutische Beziehung sowie die allgemeine subjektive Beurteilung des Programmpotentials. Des Weiteren verfügt das ENLIGHT über Checklisten zu den Themen: Glaubwürdigkeit, Evidenzbasierung, Privatsphäre und grundlegende Sicherheit. Das ENLIGHT wurde zwei Mal ins Deutsche übersetzt und wieder zwei Mal rückübersetzt und abschließend zum ENLIGHT- German zusammen geführt.  Das ENLIGHT-German wird derzeit in Hinblick auf seine psychometrischen Eigenschaften evaluiert.

 

Angst-App-Studie

Angststörungen sind neben Depressionen die am häufigsten vorkommenden psychischen Störungen. Angsterkrankungen sind sowohl mit einem hohen Leidensdruck als auch mit enormen gesellschaftlichen Folgekosten verbunden. M-health Apps könnten die Regelversorgung zukünftig komplementieren, da sie niederschwellig und ortsunabhängig Unterstützung bieten könnten.

Gesundheits-Apps unterliegen jedoch im Moment noch keiner fachlichen Kontrolle. Dies wird sich mit der Umsetzung der IEC 82304 Health Software Verordnung ändern. Dann muss zumindest die technische Sicherheit von Apps gewährleistet werden, da diese Novelle jede „Software die speziell dafür vorgesehen ist, bei der Verwaltung, Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Gesundheit einzelner Personen oder der Bereitstellung von Pflege verwendet wird“ betrifft. Jedoch wird weiterhin die fachliche Güte dieser Apps nicht evaluiert. Die Forschungslage zur Wirksamkeit von Apps ist sehr gering. Eine eigene systematische Evaluation von Apps zur Anwendung bei Depressionen zeigte, dass deutschsprachige Apps für Depressionen lediglich eine mittlere Güte aufweisen und nur 4 von 1156 Apps (bedingt) zur Anwendung bei Erkrankten empfohlen werden können (Terhorst et al., 2018).
Im vorliegenden Projekt werden alle in Deutschland verfügbaren Apps aus dem itunes, google play und Windows store, welche zur Unterstützung bei Angsterkrankungen entwickelt wurden, von zwei unabhängigen Expert_innen mithilfe des MARS Ratings (Stoyanov, 2015) bewertet. Ziel dieses Ratings ist es die Qualität  verfügbarer m—health Apps wissenschaftlich zu untersuchen und zu bewerten.

 

Depressions-App-Studie

In Deutschland sind ca. 4.9 Millionen Menschen an Depression erkrankt. Depressionen sind für Betroffene und die Gesellschaft mit enormen Belastungen verbunden. Gesundheits-Apps haben das Potenzial die Versorgungslage verbessern. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit ist es, die Qualität, Inhalte und Praxisrelevanz von deutschsprachigen Apps für Depression zu untersuchen.

Die deutschen Google Play- und iTunes-Stores wurden systematisch nach Depressions-Apps durchsucht, die nach zuvor definierten Kriterien ausgewählt wurden. Apps wurden mit Hilfe einer Skala zur Einschätzung der Qualität (Mobile Application Rating Scale [MARS]) von zwei unabhängigen Ratern bewertet. Apps mit überdurchschnittlichem Rating wurden von zwei praktisch tätigen Verhaltenstherapeuten auf ihren Nutzen für die klinische Praxis hin beurteilt.
Von den 1156 identifizierten Apps wurden 38 eingeschlossen. Die Inhalte reichten von Informations- bis hin zu Interventions-Apps. Die Apps weisen eine mittlere Gesamtqualität auf (M=3.01, SD=0.56). Vier überdurchschnittliche Apps wurden durch zwei Psychotherapeuten überprüft und als bedingt empfehlenswert für die klinische Praxis beurteilt. Zu keiner eingeschlossenen App liegt eine Wirksamkeitsstudie vor.
Deutschsprachige Depressions-Apps weisen häufig qualitative Mängel auf. Zusätzlich mangelt es an klinische Studien zu Nutzen und Risiken, weshalb der Einsatz in der klinischen Praxis nur bedingt empfohlen werden kann. Ein Gütesiegel für qualitativ hochwertige und praxisrelevante Gesundheits-Apps könnte und Nutzer vor Fehlinformationen und Missbrauch schützen und Leistungserbringern den Einsatz digitaler Medien substantiell erleichtern.

Laufende Forschungsarbeiten

„Move it!“: Standardisierte Qualitätsratings von Apps zur Förderung physischer Aktivität (Ratings abgeschlossen)

Körperliche Inaktivität ist ein Hauptfaktor für die Entwicklung und Aufrechterhaltung chronischer Erkrankungen. Apps, die auf die Förderung körperlicher Aktivität abzielen, könnten Menschen bei Lebensstiländerungen unterstützen. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden 160 in den App Stores (google play und itunes) verfügbare Apps in Hinblick auf ihre Qualität von jeweils zwei unabhängigen Wissenschaftler/innen mithilfe der MARS (Mobile Application Rating Scale, Stoyanov et al., 2015; Messner et al., under revision) begutachtet. Die Übereinstimmung zwischen den Gutachtern war gut und es zeigte sich eine mittlere durchschnittliche Qualität der Sport-Apps. Während die Subskala Funktionalität im Durschnitt hoch bewertet wurde, zeigten sich Mängel in Hinblicke auf Förderung des Engagements, der Ästhetik und der Informationsgüte. Zusammenfassend bestehen bei verfügbaren Sport-Apps noch große Mängel in Hinblick auf Datenschutz und Anwendungssicherheit. Die wissenschaftliche Publikation wird derzeit erstellt, mit der Veröffentlichung wird 2020 gerechnet. Die App-Ratings können bereits auf www.mhad.science eingesehen werden.

 

Achtsamkeit via App: Widerspruch oder Hilfestellung? (Abschluss Ratings im August)

Achtsamkeitsbasierte Interventionen stehen im Moment als potentiell hilfreiche Stressmanagement-Maßnahmen im öffentlichen Fokus. Um die Qualität von verfügbaren Apps, welche Achtsamkeit steigern sollen, zu bewerten wurden die App Stores nach Achtsamkeitsapps durchsucht. Es konnten 103 Apps eingeschlossen werden, die sich in ihrem Beschreibungstext mit Achtsamkeit befassen. Im Moment werden diese Apps in Hinblick auf ihre Qualität anhand der MARS-Skala (Stoyanov et al., 2015; Messner et al., under revision) bewertet. Die Ratings werden im Sommer 2019 abgeschlossen, im Herbst auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

Digital im Alter: Apps für ältere Menschen (Abschluss Ratings im August)

Durch den Mangel an Pflegekräften und den immer höheren Anteil Älterer in unserer Bevölkerung bestehen Hoffnungen, dass Menschen durch technische Unterstützung länger selbstständig leben können. In dieser Studie soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich vorhandene Apps dazu eignen Ältere im Alltag zu unterstützen. Des Weiteren wird erhoben welche Qualität eingeschlossene Apps aufweisen. Im Moment werden diese Apps in Hinblick auf ihre Qualität anhand der MARS-Skala (Stoyanov et al., 2015 ) bewertet. Die Ratings werden im Sommer 2019 abgeschlossen, im Herbst auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

„Au weh!“: Apps als Hilfe bei chronischen Schmerzen (Abschluss Ratings im August)

Rund 10-20% der deutschen Bevölkerung leiden aktuell an chronischen Schmerzen. Fast die Hälfte der Betroffenen muss über ein Jahr auf die Diagnose warten und 19% der Betroffenen fühlen sich nicht angemessen behandelt. Hier liegt der Schluss nahe, dass Betroffene zu Selbstbehandlungsmaßnahmen wie etwa der Nutzung einer App greifen. In dieser Studie sollen in den App-Stores vorhandene Apps im Kontext chronischer Schmerzen in Hinblick auf ihre Qualität und mögliche Risiken der Nutzung bewertet werden. Die Ratings werden im Sommer 2019 abgeschlossen, im Herbst auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

„Wenn der Bauch schmerzt“: Qualitätsratings von Apps für Menschen mit gastrointestinalen Beschwerden (Abschluss Ratings im August)

Nicht näher spezifizierte gastrointestinale Beschwerden sind ein häufiges Phänomen und deren Auftretenshäufigkeit liegt in Deutschland zwischen 15 und 22%. Jedoch suchen nur in etwa 20% der Betroffenen einen Arzt auf. Es ist anzunehmen, dass ein substantieller Teil der Betroffenen auf Selbsthilfe setzt. Eine Möglichkeit der Selbsthilfe stellt die Nutzung von Apps dar. In dieser Studie soll die Qualität von in den App- Stores vorhandenen Apps zur Linderung gastrointestinaler Beschwerden bewertet werden. Die Ratings werden im Sommer 2019 abgeschlossen, im Herbst auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

Posttraumatische Belastungsstörung (Abschluss Ratings im August)

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann sich nach dem Beobachten oder Erleben eines oder mehrerer traumatisierender Ereignisse entwickeln. Betroffene erleben sich aufdrängende Gedanken und Erinnerungen, Übererregungssymptome (wie etwa Schlafstörungen und Reizbarkeit, etc.) und emotionale Taubheit. Mithilfe dieser Studie sollen Apps, die in den App-Stores verfügbar sind und angeben zur Behandlung von posttraumatischer Belastungsstörung geeignet zu sein in Hinblick auf ihre Qualität bewertet werden. Die Ratings werden im Sommer 2019 abgeschlossen, im Herbst auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

Angst- und Depressions-Apps für Kinder- und Jugendliche (Abschluss Ratings im September)

Kinder und Jugendliche weißen eine hohe Technikaffinität auf. Daher liegt der Schluss nahe Psychotherapie technologiegestützt zu augmentieren. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes soll die Qualität in den App-Stores vorhandener Apps, die sich an Kinder- und Jugendliche mit Angst- oder Depressionssymptomatik wenden, evaluiert werden. Die Ratings werden im Herbst 2019 abgeschlossen und auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

 

Onkologie Apps (Abschluss Ratings im September)

Jedes Jahr erkranken rund eine halbe Million Deutsche an Krebs. Um die Qualität von Apps, welche in den App-Stores verfügbar sind zu bewerten wurden Apps die sich an Patient/innen, Angehörige oder an die Allgemeinbevölkerung richten gesucht. Neben der Qualität wird auch noch das Anwendungsgebiet (Prävention, Behandlung, Nachsorge) erfasst. Die Ratings werden im Herbst 2019 abgeschlossen und auf www.mhad.science zur Verfügung gestellt und parallel im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation aufbereitet.

Internationales Netzwerk

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Prof. Dr. Stephen Schueller

Northwestern University

Kooperationspartner in Amerika ist Prof. Dr. Stephen Schueller von der Northwestern University (Preventive Medicine). Er ist ebenso Direktor von Psyberguide (https://psyberguide.org/) und Mitglied des Northwestern´s Center for Beahvioral Intervention Techniques (CBITs).

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Prof. Leanne Hides und Stoyan Stoyanov

University of Technology Brisbane

Prof. Leanne Hides (https://psychology.uq.edu.au/profile/2329/leanne-hides) und Stoyan Stoyanov (http://staff.qut.edu.au/staff/stoyanov/) von der University of Technology Brisbane (Australien), welche das MARS (Stoyanov et al., 2015) entwickelt haben. Derzeit  Zusammenarbeit an der Standardisierung der Raterausbildung.

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Prof. Dr. David Kavanagh

Queensland University of Technology

Prof. Dr. David Kavanagh Research Professor vom Centre for Children’s Health Research, Institute of Health & Biomedical Innovation and School of Psychology & Counselling der Faculty of Health der Queensland University of Technology (QUT) https://research.qut.edu.au/aepr/ beschäftigt sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mit Internet- und mobilbasierten psychotherapeutischen Interventionen sowie mit Telebehandlung.

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Dr. Amit Baumel

Universität Haifa

Dr. Amit Baumelvon der Universität Haifa (Israel, http://lecturers.haifa.ac.il/en/hw/abaumel/Pages/default.aspx) ist klinischer Psychologe und Softwareentwickler. Er hat das ENLIGHT entwickelt und beschäftigt sich vorwiegend mit Nutzerbindung als Faktor der Wirksamkeit mobiler Applikationen.

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Prof. Dr. Thomas Probst

Donau Krems Universität

Prof. Dr. Thomas Probst ( http://www.donau-uni.ac.at/psymed) von der Donau Krems Universität, Fakultät für Gesundheit und Medizin, Abteilung für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit beschäftigt sich unter anderem mit dem psychotherapeutischen Potential von m-Health Apps.

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Dr. Lasse Sander

Universität Freiburg

Dr. Lasse Sander von der Universität Freiburg ( https://www.psychologie.uni-freiburg.de/Members/sander), Abteilung für Rehabilitation und Psychotherapie ist Verhaltenstherapeut und forscht zur Wirksamkeit und Implementation von Internet- und Mobilbasierten psychotherapeutischen Interventionen (IMI´s).

Publikationen

2018
DOI: 10.1159/000481692

Terhorst, Y., Rathner, E.M., Baumeister, H., & Sander, L. (2018). „Hilfe aus dem App-Store?“: Eine systematische Übersichtsarbeit und Evaluation von Apps zur Anwendung bei Depressionen. Der Verhaltenstherapeut. Doi10.1159/000481692 (https://www.karger.com/Article/Abstract/481692).